Zum furchtbaren 6-fach-Mord in Stade -ein Kommentar von Thomas Seidel-


 

Ausführlich wird in den Medien über einen beispiellosen 6-fach-Mord in Stade (Niedersachsen) im Zusammenhang mit einem Sorgerechtsfall berichtet. Immer wieder versuchen einige Medien einen Zusammenhang mit Clan-Kriminalität herzustellen. Während die untersuchenden Behörden dies zurückweisen, wird ein wesentlicher und schrecklicher Aspekt überhaupt nicht beleuchtet.

Wie sich die Sachlage aus unterschiedlichen Quellen der Öffentlichkeit darstellt, ist der Ausgangspunkt der Tragödie in Garbsen, einem Ort in der Nähe von Hannover zu suchen. Dort kommt es zu einem Sorgerechtsstreit, um ein gerade einmal dreimonate altes Kind. Der offensichtlich zur Gewalttätigkeit neigende Vater bedroht scheinbar Mutter und Kind sosehr, dass die Jugendbehörden in Hannover eingeschaltet werden. Trotzdem wird der spätere Massenmörder nicht weiter genau beobachtet. 

Schließlich scheinen Mutter und Kind mit Hilfe oder durch Vermittlung des Jugendamtes Hannover nach Stade zu fliehen, um den wahrscheinlich eskalierenden Nachstellung des Vaters vorläufig zu entkommen. In Stade, rund 180 km weit weg vom Raum Hannover, kommen Mutter und Kind in einer Jugendhilfe-Einrichtung "Safe-House" unter, eben jener Einrichtung in der das beispiellose Verbrechen seinen Lauf nimmt.

Schließlich reisen drei Mitarbeiter des Jugendamts Hannover nach Stade und laden den gewalttätigen Vater für ein klärendes Gespräch genau in die Einrichtung ein, in der sich die bedrängte Mutter und das Kind sicher fühlen sollen. Zu dem Gespräch gesellen sich örtliche Jugendamtmitarbeiter, insgesamt werden es die sechs Opfer. Der Vater erscheint, offensichtlich mit vorab geplanter Rückversicherung für eine Flucht und richtet die sechs Opfer hin.

Wie konnte es zu dieser, regelrecht behördlich eingeleiteter, Wahnsinnstat kommen?

Warum wurde das "klärende" Gespräch mit dem Vater nach Stade verlegt?

Wer hat diese Konstellation entschieden?

Wieso wurde die tatsächlich übermäßige Gewaltbereitschaft des Vaters nicht gründlich recherchiert und im Vorfeld erkannt?

Das sind die Fragen, die die Öffentlichkeit und die Medien jetzt an die Behörden stellen müssen und lückenlose Aufklärung verlangen sollen. Ob der gewalttätige Vater in irgendein Clan-Milieu passt oder nicht, ist im Augenblick völlig irrelevant. Das sollten sich auch sensationsgierige Medien erst mal klarmachen. Der eigentliche Skandal liegt in der behördlich eingeleiteten Gesprächskonstellation und der behördlichen Bloßstellung von Mutter und Kind, die wahrscheinlich nur durch einen glücklichen Zufall nicht auch noch Opfer eines überaus wütenden Massenmörders geworden sind.

Bildnachweis: Kriminaltechnische Untersuchungen im Jugendhilfehaus in Stade

Quelle: Kleine Zeitung

Beliebte Posts aus diesem Blog

Seit 20 Jahren der Anker Europas -Die Europäische Zentralbank feiert ihr zwanzigjähriges Bestehen- von Thomas Seidel

Das Elend der Deutsche Bundesbahn und ein mögliches Ende - von Thomas Seidel

Das Elend des Deutschen Einzelhandels von Thomas Seidel